3
Mai
2017
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Sorry Fuji…

…aber ich habe es nichtmal kommen sehen, dass sich unsere Wege so trennen würden !

Aber ganz von vorn.

 

Wie fing das damals an ?

Seit über 3 Jahren fotografiere ich nun mit dem Fuji-X System ( angefangen mit einer X-E1, weiter mit X-E2 – Zwischenstopp bei X-T1 und den „Big Step“ zur X-Pro2 ). Es war nicht direkt Liebe auf den ersten Blick sondern ein langsames rantasten, sich beschnuppern und am Ende fiel ich wohl ihrer betörenden Schönheit und Eleganz zum Opfer. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass meine erste Hochzeit mit der X-E1 wohl eher ein Eiertanz war und die Kamera tat mehr das was SIE wollte. Aber es ging. Die Idee dahinter – das man sich dem Brautpaar und den Gästen nähern kann ohne direkt als Pressefotograf daherzukommen – gefiel mir auf Anhieb. Aber es wog auch immer die Frage mit ob man mit so einer „Knipse“ überhaupt ernst genommen wird. Nach 6 oder 7 Hochzeiten hatte ich dieses Gefühl aber gänzlich verloren, da ich wusste, was ich mit der Kamera abliefern konnte. Große Augen, wenn man erzählte, womit man Hochzeitsreportagen fotografiert. Und ja – es war schon geil, wenn man die Kamera so locker über der Schulter hatte, durch die tanzen Menge sich bewegte und kaum einer nahm von mir Notiz. Und dann – wenn hinter mir plötzlich was auf der Tanzfläche passierte, dass es festzuhalten galt … da konnte ich schnell herumwirbeln mit den paar Gramm in der Hand, anlegen , fokussieren und …. ACH SCHEISSEEE….dämlicher Autofokus… !!! Was solls – ich kenn das ja und habe in meiner unendlichen Voraussicht auf manuellen Fokus geschaltet.

Ok, dunkle Tanzflächen sind nun wirklich nicht das einfachste Gebiet für viele Kameras und insofern will ich das nicht überdramatisieren. Hm – wir können auch gerne davon reden, dass ich immer mit nem Patronengurt an Akkus durch die Gegend gezogen bin, da ja in der Regel nach 300 Bildern die Kiste leer war. Kein Thema – man bekommt ja für kleines Geld Drittanbieter-Akkus. Aber dennoch wirkte das seltsam 12 oder mehr Akkus dabei zu haben.

 

Fuji als Lebenseinstellung ?

Die Fujianer , Fuji-Liebhaber oder wie auch immer sie sich nennen, wissen was ich meine. Und mit Sicherheit wird es jetzt bestimmt Spottreden auf mich geben, dass ich ja erstmal lernen solle zu fotografieren. Dieser eisige Wind weht einem nämlich entgegen, wenn man sich in einschlägigen Facebook-Gruppen mal über diesen Umstand Luft machen wollte. Dann gab es Leitfäden im Netz – von Leuten in monatelanger Kleinarbeit erstellte Workarounds, wie man Fuji stromsparender macht ( am besten alles ausschalten und alles manuell ), wie man auf der Tanzfläche sicherer trifft ( Zonenfokus oder einfach Blende komplett zumachen, damit schlicht und ergreifend alles scharf ist ). Richtig vernünftig geblitzte Bilder auf der Tanzfläche habe ich eher selten gesehen. Vielmehr wurde man überschwemmt mit Bildern a la:  1/15 sek. , Blitz in die Menge feuern und die Kamera verwackeln, damit es schön dynamisch ausschaut. Hab ich auch gemacht, weil mich das ewige „gepumpe“ des Fokus mächtig genervt hat. Und da hilf natürlich Blende 8 oder 11 um im Gewühl der Tanzfläche auch scharfe Bilder zu produzieren. Nicht falsch verstehen – ich habe auch sehr gute Beispiele gesehen, die waren / sind aber eher die Ausnahme.  Das „Gehabe“ in diesen Gruppen war schon fast religiös geprägt und man gewann den Eindruck, dass authentische Hochzeitsreportagen mit „DICKEN“ Kameras ja schon bald garnicht mehr möglich seien. Ich war völlig isoliert in meinem Denken und wagte nicht den Blick über den Tellerrand. Klein müsse alles sein und so unauffällig, dass du als Fotograf nicht mehr so auffällst. Die Art und Weise mit der viele Fuji-Fotografen ihr Equipment verteidigten war schon seltsam anmutend.

Ich finde, es kommt auch immer noch drauf an, wie DU als Fotograf dich verhältst. Rennst du wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend während der Zeremonie oder bist du so wie ich, der eher auf dem Boden rumkriecht und sich nach Möglichkeit im Hintergrund aufhält ?  „Und das laute Klicken der DSLR ??“   Ganz ehrlich – so ist es schon seit Jahrzehnten und ich hab noch nie gehört, dass ein Pastor oder ein Standesbeamte ein Problem mit nem Fotografen hatte, weil seine Kamera „KLICK“ macht. Natürlich ist das leise oder geräuschlose Auslösen einer Systemkamera ungemein angenehm aber es sorgt nicht dafür, dass du damit Momente einfängst, die dir als DSLR-Nutzer verwehrt bleiben.

Ich wurde beim Ausprobieren neuer „Techniken“ die das Leben mit Fuji einfacher machen sollten schon müde vom vielen rumprobieren und manchmal las ich von „Aussteigern“, die sich wieder dem Spiegelreflexsystem zuwandten.

Ich muss dazu sagen, dass ich nie eine DSLR als Hochzeitskamera eingesetzt hatte – insofern war ich da völlig unbelastet. Manchmal kam aber schon die Frage auf, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu spielen. Wenn ich mal im MediaMarkt oder so ne DSLR in der Hand hatte, dachte ich immer so bei mir „Hahaha, diese Hornochsen, die jedes Wochenende das ganze schwere Gelumpe mit sich rumschleppen müssen“

Ich hatte in den ganzen 3 Jahren mit Fuji immer so das Gefühl, als müsste ich besondere Opfer darbringen um die Kamera das machen zu lassen, was ich wollte. Als müsse ich gegen die Technik ankämpfen. DAS war einer der Gründe irgendwann mal einen Blick zurück zu werfen.

Für eine Hochzeit vor 1 Woche hatte ich mir dann ohne Sinn und Verstand eine Nikon D500 ausgeliehen und dachte mir, dass ich sie einfach mal so nebenbei auf der Tanzfläche einsetzte – nur mal um zu gucken, wie das so ist. Was dann passierte, konnte ja keiner ahnen.

 

Große Augen machte ich…

Schon morgens beim „Getting Ready“ machte ich ein paar Momentaufnahmen und war schier sprachlos wie snappy die Nikon war. Ich konnte Momente die in Sekundenbruchteilen passierten und wieder vorbei waren einfrieren. Ich spürte nach 20 Minuten schon wie sehr die Kamera mit meinem Arm verschmolz.

Auch das Bild hier – natürlich auch keine Kunst für Fuji – sie macht nur alles nen Ticken langsamer, und ich wusste mit der D500 – den Moment haste im Sack, egal was passiert. Ein gutes Gefühl !!!

Nach 1 Stunde circa wechselte ich noch mal zur Fuji ( Xpro2 ) und hatte plötzlich das Gefühl, dass das Objektiv in SloMo fokussiert, so ein krasser Unterschied war das. Auch wenn der „Blackout“ beim Auslösen bei der Xpro2 kaum noch zu bemerken ist, ist er dennoch vorhanden und allein die Möglichkeit in einem kurzen Moment 3 oder 4 dosierte „Schüsse“ abzugeben sind schon bald eine Versicherung für das „Nicht-verpassen“ von Momenten. Kurzum – die Fuji blieb den Rest des Tages in der Tasche.

Als ich dann am Abend mich auf den Hochzeits-Tanz vorbereitete schaute ich mehr beiläufig aufs Schulterdisplay und stellte fest, dass der Akku immer noch 1/4 Kapazität hatte. 900 Bilder mit einem Akku und er war nicht mal leer. Als Fuji-User eine unvorstellbare Summe 😀 Es tat einfach gut nicht das Gefühl zu haben, 4 Akkus einstecken haben zu müssen. Und jeder Fuji-Fotograf kennt das. Restanzeige von 2 Balken heißt bei Fuji soviel wie: „Weißte was, ich werde jetzt gleich ausgehen – weiß nicht genau wann, aber jetzt gleich gehe ich aus“ Ich hatte mir mittlerweile angewöhnt den Akku zu wechseln, wenn die Füllstandsanzeige auf 50% gesunken war.

 

Was gab mir den letzten Anstoß ?

Dann kam der Abend und die Party und da zeigte sich was ein gutes AF-System ( die D500 hat ja im Grunde das AF-System der D5 ) im Stande ist zu leisten. Ich musste oft den Shot nochmal kontrollieren, weil ich nicht glauben konnte, wie akkurat die Kamera zupackte. Selbst bei richtiger Dunkelheit und keiner Fokusunterstützung durch meinen Blitz. Ich merkte, wie ich innerlich Fuji schon abgeschrieben hatte. Es war einfach Fotografieren ohne noch eine Sekunde daran zu verschwenden, ob ich gleich wieder eingreifen muss, wenn die Fuji wieder mal zickig wird. Ich konnte mich voll auf die Momente konzentrieren. Und darum geht es bei Hochzeiten – Momente, Situationen die sich nicht wiederholen. Ich sag es ganz klar: Ich scheiß doch auf das Gewicht, wenn ich ein Gerät habe, dass den Job so erledigt, dass ich nicht mehr drüber nachdenken muss.

Das wird jetzt kein Review zur D500 – das können andere viel besser als ich. Für mich zählt unterm Strich nur das Ergebnis und das hat mich nach der Ansicht der Bilder echt aus den Latschen gehauen.

Gäste kamen in Situationen auf mich zu gerannt und von 8 Bildern waren 8 Bildern auf den Punkt. Sorry Fuji, das ist nix für dich. Ich fühlte mich in der Lage auf jede noch so kurzfristige Situation mit einem Wimpernschlag reagieren zu können.

Die hier gezeigten Bildern wird jetzt auch wieder Leute auf den Plan rufen die mir sagen wollen: „Hey – das bekommst du mit Fuji genau so hin“  Ja – mag sein. Aber nicht mit dieser Leichtigkeit – und allein diese Leichtigkeit hat mir an besagtem Samstag richtig gut getan. Die hier gezeigten Beispiele sind spontane Reaktionen gewesen. Sprich: Ich guck nach rechts – links springt einer von seinem Stuhl und reißt die Arme hoch – 2 Sekunden – dann ist wieder alles vorbei. Momente bei denen meinen Fujis schon oft kläglich versagt haben.

Ich weiß auch, dass jetzt wieder einige schreien werden und auf die X-T2 verweisen. Aber die Kamera gefällt mir einfach überhaupt nicht ( weder vom Design noch die ganzen Rädchen ).

Und bevor jetzt noch einer sagt „Wieso haste nicht Vollformat genommen – kostet das gleiche ?!?“   „Ja, weiß ich – aber die D750 gefiel mir einfach vom Handling nicht – außerdem sind mir die „Vollformat-Vorteile“ mittlerweile auch sowas von egal. Die Kameras sind doch mittlerweile fast alle gleich auf – sehen manche Vollformater bestimmt anders, aber ich habe mich eben so entschieden. An alle Unwissenden und Fotografie-Anfänger, die denken, sie „brauchen“ Vollformat weil es nach „Vollprofi“ klingt: Wir haben nicht mehr 2008 wo die 5D MK2 das Maß aller Dinge war. Immer noch ne gute Kamera – aber damals war das Verhältnis Vollformat / ISO-Rauschen & Qualität wohl noch zusammenhängender als es das heute ist. Leiht euch einfach mal was aus und testet die Kamera unter echten Bedingungen.

 

Was passierte dann ?

Einen Tag nach der Hochzeit, habe ich in einem Kraftakt bis auf einen Body mein gesamtes Fuji-Equipment auf den Markt geworfen und bin nun Besitzer zweier D500 mit nem 50er und nem 24er. Das letztere einfach, weil das meine geliebte Brennweite ( 23er bei Fuji ) war und ist und ich SO VIELE Jobs damit ausschließlich fotografiert habe, dass ich es schon nicht mehr zählen kann.

Das alles passierte so schnell und ich wollte keinen fließenden Übergang – ich wollte das was ich am Wochenende erlebt habe SOFORT haben und so vollzog sich die Transformation von Fuji zu Nikon innerhalb von 2-3 Tagen.

„Höchst unprofessionell“ höre ich jetzt schon einige rufen – ist mir aber egal. Es ist meine Entscheidung gewesen und ich stehe voll dahinter. Gestern habe ich als letztes mein 50er Fuji Objektiv verkauft. Der Käufer schrieb mir einen Tag später noch eine Mail, die es auf den Punkt bringt und mich hoch motiviert hat:

Die Kamera setzt nur meine Vision um – und darum geht es.

Abschließend möchte ich nochmal sagen, dass ich nun keineswegs ein Fanboy bin. Ich habe auch bei Fuji deren Stärken immer angepriesen und verteidigt und ich würde auch vielen eine kleine Fuji als Alltagskamera empfehlen – keine Frage. Die jpegs sind geil und die Dinger sind einfach cool, retro und wiegen nix. Das sind aber leider keine Merkmale die man auf jeden Bereich ummünzen kann.

Ich denke, ihr könnt meine Gründe ein wenig nachvollziehen und ein bisschen Fuji hab ich ja noch daheim.

In diesem Sinne … 😉

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