1
Aug
2017
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On the Job of…Sebastian Adeel Kahn

Eines haben Sebastian und Ich – das wurde mir schnell klar – gemeinsam: Wir sind Arbeitstiere und nicht selten liegen unsere Arbeitstage bei 12 Stunden oder mehr. Zugegeben: Es gibt Jobs in denen eine hohe Anwesenheitszeit wichtiger ist als die tatsächlich geleistete Arbeit. Mitarbeiter werden zum besten Freund des Chefs, wenn diese sogar noch länger bleiben als er selbst. Alles selbst schon erlebt. Hier ist das anders – alle sind schon weg, als ich gegen 18:00 Uhr in die Halle komme. „Natürlich“ – denke ich mir – ist ja auch schon 18:00″  „Die würden mir jederzeit helfen, wenn ich sie fragen würde“ sagt Sebastian und man merkt, dass es hier um mehr geht als bloßen Gehorsam. Die Mitarbeiter verstehen sich als Familie und wenn dann Abends ein Kunde dringend Hilfe benötigt, dann springt man halt mal ein. Dafür haben seine „Jungs“ aber auch alle Freiheiten, die man sich denken kann. Hat jemand mitten am Tag einen dringenden Termin ? Kein Thema – Geben und Nehmen…!

Der Geruch in der Halle erinnert mich ganz stark an meine erste Ausbildung. Wochenlang stand ich da in einer Ausbildungswerkstatt und durfte U-Stahl Profile auf ein bestimmtes Maß herunter feilen. Im Grunde ist alles mit feinstem Metallstaub überzogen. Egal was man berührt – man ist sofort dreckig. Es liegt eine angenehme Ruhe in der Luft – nur ganz am Ende der Halle verrichtet eine programmierte Bohr-Anlage ihren Dienst. „Die lass´ ich laufen, bis Feierabend ist und dann schalte ich sie bis zum nächsten Morgen aus.“ sagt Sebastian.

Aufpanzern – das ist die unter anderem eine der Hauptaufgaben der man hier tagtäglich nachgeht. Verschleißteile der Papierindustrie werden hier z.b mittels diverser Schweißtechniken wieder arbeitsfähig gemacht.

Heute ist so ein Tag, an dem mal wieder ein Kunde in Not ist. Gegen 18:00 ruft er Sebastian an und benötigt 4 Adapter für Leitwalzen. Betriebsausfall droht ohne diese entsprechenden Teile. Es wird eilig hin und her telefoniert und nach einer Weile erhält Sebastian die Arbeitsskizze per Mail. Und wer jetzt denkt, dass ein simpler Metallklotz mit 3 Bohrungen eine 1/2-Stunden Aktion ist, der irrt. Fast 4 Stunden später ist Sebastian erst mit der Arbeit fertig – so viel Arbeit steckte in dieser ( für mich ) simplen Aufgabenstellung.

„Es gibt auch noch andere Firmen, die sowas hier machen“ erklärt Sebastian. Natürlich – das alles ist am Ende des Tages auch ein Geschäft und man möchte Geld verdienen. Aber darum geht es Ihm nicht in erster Linie. „Etwas zu schaffen – am Ende des Tages darauf zu blicken, was man erledigt hat – oder wie in dem Fall jemandem unkompliziert helfen zu können. Das macht richtig Bock“ – sagt er und seine Augen glänzen freundlich. „Warum denn so lange“ – spreche ich noch aus aber da muss ich schlagartig an mich denken – warum bin ich denn 15 Stunden auf einer Hochzeit ? Die Arbeit mag unterschiedlich sein, aber die Gründe sind sehr ähnlich. Und am Ende ist das alles doch schon irgendwie ein cooler Job – Drecksarbeit , ja ! Aber es stimmt – obwohl ich keinen Handschlag seiner Arbeit gemacht habe kommt man irgendwie verschwitzt aber auch zufrieden aus der Halle.

In der Fortsetzung dieser Strecke werden noch ein paar Impressionen aus dem Regelbetrieb mit Belegschaft nachgereicht. Dazu folgt dann noch ein kleines Profil der Mitarbeiter.

Meinen Dank an Sebastian für diese Gelegenheit.

 

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