2
Okt
2018
2

Erste Hochzeit mit der Fuji X-T3

Was war !?

Als ich Anfang 2017 meine Fuji-Kameras verkaufte ( ich berichtete hier ) und zurück zu Nikon wechselte, war der Schritt folgerichtig, da ich mich von dem Gedanken befreit hatte, dass eine Kamera schön klein und sexy-retro sein muss. So lässig mir die Fuji am schicken Ledergurt über die Schulter hing, so lässig verhielt sie sich auch beim Fokussieren. Also ob sie sagen wollte: „Och nööö – muss nicht sein, dass DU genau JETZT genau DIESES Motiv fotografieren willst.

1 1/2 Jahre später hat sich der Kameramarkt selbst wieder auf Links gedreht und man kommt kaum noch nach alle Testberichte zu lesen, geschweige denn die Kameras mal zu testen.

Die Fuji X-T2 hatte ich immer mit zusammengekniffenen Augen begutachtet aber nach einem Testwochenende wieder in meinen Gedanken begraben. Zu ungenau war der Fokus abends auf der Tanzfläche.

Ich konnte aber nie verleugnen, dass mich Fuji immer wieder ansprang. Nutze ich privat eine X100F war immer wieder der Gedanke: „Was wäre wenn…“  Das geringe Gewicht, LiveView im Sucher,  geräuschloses Auslösen,… das waren alles Attribute, die ich selbst nach 1 1/2 Jahren mit Nikon immer noch vermisste.

 

Zurück auf Start !

Und dann steht da plötzlich die X-T3 im Schweinwerferlicht und ich hab nichtmal die Ankündigung mitbekommen. Vieles soll sie besser machen – so laß ich. Aber was man so an „Reviews“ im Netz fand war bis dato nicht besonders aussagekräftig. Zu viel Lobgesang macht ja auch manchmal skeptisch und so tat ich, was ich immer tat: Kaufen und selbst von überzeugen. Und wenn schon Revolution gegen das eigene Equipment, dann bitte auch richtig. Als Objektiv suchte ich mir das 16-55 2.8 aus. Zugegeben – ein Brocken aus Metall und Glas, aber die durchgehende Blende von 2.8 war für mich der Kaufgrund. Ich hatte damals wie jeder andere wohl angefangen mich mit Festbrennweiten einzudecken und auch wenn ich die letzten 3 Jahre mit nicht mehr als 20mm und 50mm unterwegs war, gab es auf einer Hochzeitsreportage genug Momente, die man einfach nicht so einfangen konnte, wie man wollte. Sieht jeder anders und ich beschwere mich auch nicht. Ich habe fast immer genau das fotografiert was ich auch wollte. Ach ja – es ist halt alles irgendwie ein Kompromiss.

Aber die Challenge war gesetzt: Eine komplette Reportage mit der XT-3 und dem 16-55. Ich hatte 3 Akkus dabei und eine kleine Umhängetasche. Alleine das war schon eine Erleichterung ohne Worte.

Die ersten Bilder an der Kirche lassen mich schon durch die Kamera hindurchlächeln. Herrlich – keine Testbilder mehr. Die Belichtung sitzt auf den Punkt. Ich gehe in die Kirche und möchte den Weißabgleich testen. Da ist Fuji eh immer top gewesen – für meine trüben Augen ist der WB auf den Punkt. Die Kirche ist dunkel und ich fotografiere ein paar Gäste beim Hineingehen. Der Fokus sitzt sicher. Ich muss sogar manchmal die Bilder checken, weil es so schnell geht, dass ich mir nicht sicher bin ob das Objektiv scharf gestellt hat. Die XT-3 schlägt mir ISO 8000 bei einer Belichtungszeit von 1/250 vor. Ich schiebe die Unterlippe nach vorne und denke mir „Aha – na dann soll das halt so sein. Die interne Rauschunterdrückung habe ich auf +1 – alle anderen Werte auf 0 und auch die Standard-Filmsimulation ist voreingestellt. Ich wollte das neutralste Bild, das möglich ist.

Wenn sich jetzt jemand dafür interessiert, wie ISO 8000 bei der Fuji aussieht – Bitteschön: ( die letzten beiden Bilder sind in 150%iger Vergrößerung )

Natürlich beginnen bei diesen Werten die Hauttöne zu leiden, aber ich finde das ganze Ergebnis recht ordentlich.

 

RAW vs. JPEG ?!

Raw, klar immer Raw. Sagt wohl jeder ( auch der, der keine Ahnung hat ).

Um es kurz zu machen: Ich habe die Hochzeit in JPEG fotografiert und mein Lieblings-VSCO Plugin ( Kodak ) drübergelegt. Das Ergebnis konnte ich am Ende selbst nicht fassen. Das fertige Jpeg aus der Kamera ist zu 100 % nutzbar. Kleine Korrekturen in der Belichtung bis max 1,5 EV wären m.M.n kein Problem. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass es schon einiges an Arbeit kosten würde, das RAW-Bild so zu entwickeln, wie es am Ende aus der Fuji kommt. Ich weiß nur, dass Bilder aus der Kirche mit ISO 6400 oder mehr immer eine Sache für sich in der Entwicklung waren. Abgesehen davon, sehe ich ja das Bild bereits im Sucher – eine Fehlbelichtung die so krass wäre, dass man 4 oder 5 Belichtungs-Stufen korrigieren müsste lässt sich ja schon fast vollständig vermeiden. Für diesen Fall habe ich aber immer noch die RAWs als Backup. Fazit hier: Bei rund 2300 gemachten Bildern lag vielleicht bei 10 Bilder die Belichtung nicht auf den Punkt. Ansonsten konnte ich auf die Jpegs mein Preset legen ohne die Datei zu strapazieren. Hier mal ein Vergleich ( rechts das original aus der Fuji – links nach dem Preset )

Das ganze beschleunigt natürlich auch die Bearbeitung in Lightroom ungemein.

 

Die Achillessehne – der Autofokus am Abend !

Das war damals der Grund für mich von Fuji wegzugehen und zu Nikon zu wechseln – die D500 mit dem AF-Modul der D5 ist eine Sache für sich. Der AF der Nikon sucht nicht – der findet. Insofern sollte die Fuji in riesige Fußstapfen treten.

Was ich vorher nicht wusste: Die Party Abends sollte in einem unfassbar dunklen Kellergewölbe stattfinden. Das Licht des DJ´s war spärlich und die Menschen auf der Tanzfläche waren teilweise nicht richtig zu erkennen. Der Raum war klein und voller tanzender Menschen die in diesem Dunkel eine schwarze Masse bildeten. Ich würde mal behaupten, dass da jede Kamera eine Grenzerfahrung erlebt. Belegen kann ich diese Aussage nicht. Ich habe mal die Bilder in Photomechanic markiert, bei denen der Fokus schlicht daneben lag. Es waren von rund 800 am Abend gemachten Bildern ca. 30, die nicht korrekt fokussiert waren. In großer Mehrheit biss sich der AF wirklich am Motiv fest. Mit meiner D500 hab ich auch oft daneben gelegen, wenn die Lichtverhältnisse unterirdisch waren – trotz tollem AF-System. Ich möchte das nicht klein reden aber auch nicht dramatisieren. Das man JEDEN Moment eine Party einfängt ist ja nicht wirklich möglich – aber das Verhältnis sollte doch im großen positiven Bereich liegen. Was ich noch damals mit der XPro2 erlebt hatte, war hier völlig vergessen. Ich nutzte einen Godox TT 685 mit Fokus-Hilfe und der hat bei diesem Licht schonmal geholfen. Aber man kann einfach sagen, dass der Autofokus um ein vielfaches verbessert wurde – sogar gegenüber der X-T2. Merklich. Was eine Sony auf dem Gebiet leistet ( und auch immer unter Berücksichtigung ) der Lichtverhältnisse , kann ich nicht sagen.

Ich habe ich dabei ertappt, dass ich unheimlich viel direkt über das Display fokussiert habe. Gefühlt geht das genauso schnell / gut wie durch den Sucher. In einer dunklen Location ist das sogar sehr hilfreich, weil man links und rechts dann noch etwas sehen kann.

Ich lasse hier einfach mal ein paar Bilder sprechen:

 

Der Akku 

Wie zu erwarten war, hat sich nicht SEHR viel getan. Ich habe an diesem Tag ( rund 10 Stunden Reportage ) knapp 3 1/2 Akkus verbraucht ( der 4. war am Ende des Tages zu 50 % noch gefüllt ) Das bedeutet rund 550 Bilder je Akku. Hat man den optionalen Batteriegriff ( den ich mittlerweile habe ) könnte man schon beinahe eine Hochzeit damit schaffen. Ach ja – ich habe den ganzen Tag im normalen Modus – nicht im Boostmodus fotografiert. Warum ? Weil ich es vergessen habe 😀

 

Und wie war die Arbeit nun mit einem Zoom ?

Überraschend erfrischend. Ich merkte zwar schnell, dass man ein bisschen „lauf-faul“ wird, aber das legte sich nach kurzer Zeit. Die Flexibilität ist eine Riesen Erleichterung und ich finde nicht, dass man den Bildern das nun ansieht und / oder die Bilder an Seele verlieren. Diese Diskussion überlasse ich den Foto-Foren 🙂 Ich selbst erkenne jedenfalls keinen Unterschied zu meinen sonstigen Reportagen. Als Portraitobjektiv würde ich dennoch auf Grund des Looks eine Festbrennweite bevorzugen. Aber dennoch ist das Arbeiten mit nur einer Kamera eine wahnsinnige Erleichterung Bereicherung. Probiert es aus !

 

Fazit:

Tja, der Fotograf macht anscheinend das Bild und nicht die Kamera – oder wie war das noch gleich ? Der Wechsel hat gut getan und ( Stand 1.10.2018 ) mittlerweile habe ich 3 Hochzeiten mit der Kamera fotografiert und bin sehr happy mit dem Ding. Und da Lightroom nach wie vor die RAW-Dateien nicht erkennt habe ich alle diese Hochzeiten in JPEG fotografiert. Was für eine Befreiung, was für eine Beschleunigung im Workflow. Ich war eh nie der Typ, der lange an einem Bild rumbastelt und manch einer guckte mich mit großen Augen an, wenn er hörte, dass ich nach 2 Tagen bereits mit der Bearbeitung fertig war. Nun, jetzt war ich Sonntag Nachmittag fertig und meine Frau wirft mir eine skeptischen Blick zu, als ich – triumphierend blickend – die Treppe , von meinem Büro kommend, heruntertanze 🙂

Mal sehen, was 1 1/2 Jahre später so sein wird 🙂

 

 

© Matthias Römer - Impressum | Datenschutz | Disclaimer